Wein und Gesundheit

Von der heilenden Wirkung des Weingenusses zur Wellness.

Die Themenkreise „Gesundheit – Krankheit“ nehmen in der westlichen Zivilisation und vor allem in unserer Gesellschaft seit einigen Jahren eine wachsende zentrale Stellung ein. Der immer stärker verbreitete Wunsch, länger und gesünder zu leben, beschäftigt Öffentlichkeit und Politik, Wissenschaft und Forschung, Medizin und Sozialwesen.

Dabei zeigt sich eine deutliche Entwicklung in Richtung natürlicher, gesunder Lebensweise, ohne damit eine allzu große Opferbereitschaft hinsichtlich Verzichts auf bestimmte Produkte und Gewohnheiten zu verbinden. Das angestrebte Ziel heißt hohe Lebensqualität, die man mit Freude und auch einem gewissen Genuss sichern möchte.

Natürlich hoffte auch in früheren Zeiten jeder ein „biblisches“ Alter zu erreichen, obwohl die Aussichten darauf bekanntlich wesentlich geringer waren als heute. Das Spektrum damaliger Möglichkeiten zur Heilung von Krankheiten ist mit unseren jetzigen medizinischen Erkenntnissen zweifellos nicht zu vergleichen. Gleichwohl werden in jüngster Zeit immer häufiger schon in früheren Jahrhunderten bekannte Heilmittel und Heilmethoden wieder entdeckt und genutzt. Eine nicht unwesentliche Rolle nimmt dabei der moderate Weingenuss ein, mit dem sich seit der Antike unzählige Autoren befassten.

Vieles davon ist längst in Vergessenheit geraten, einige Aussagen haben sich – als gleichsam klassische Erkenntnisse – bis heute erhalten. Die Einsicht, dass vor allem nur mäßiges Weintrinken der Gesundheit nützlich sein kann, war in der antiken Welt bereits ebenso geläufig wie die Unterscheidung beim Wein zwischen Genuss- und Heilmittel. Und schon vor zweitausend Jahren empfahlen Ärzte bestimmte Weine zur inneren oder äußeren Anwendung – vergleichbar mit der modernen „Vinotherapie“ innerhalb der Wellness-Bewegung.

Aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe wurde Wein bereits im Altertum den Nahrungsmitteln gleichgesetzt. Ebenso wurden die psychosomatischen Effekte des Weingenusses schon vor Jahrtausenden erkannt und beschrieben. Im Mittelalter kam es zu einer wahren Flut von Veröffentlichungen, den Wein als Heiltrank behandelten. Sie bildeten die Grundlage für eine volkstümliche Weinheilkunde, deren bekanntesten Vertreter Augustinus und Hildegard von Bingen sind. Entsprechend spielte der Wein in der Klostermedizin eine wichtige Rolle.

Wenn auch viele der Rezepturen, die zu jener Zeit mit Rebensaft und allen möglichen anderen Zutaten erstellt wurden, nach unserem heutigen Verständnis kaum noch als Heilmittel bezeichnet werden können, so steht die heilende Wirkung des Weines grundsätzlich nicht in Zweifel. Besonders deutlich wird dies in verschiedenen medizinischen Fachpublikationen des 19. Jahrhunderts, die auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Untersuchungen die therapeutisch wirksame Funktion des Weines bekräftigen. So bezeichnete einer der renommiertesten Pharmakologen seiner Zeit, Prof. Dr. O. Schmiedeberg, in einer Studie aus dem Jahr 1900 Wein als das unschädlichste alkoholische Getränk, das „den gewünschten Genuss gewährt, die Tätigkeiten des Magens kaum beeinträchtigt, beruhigend auf das Nervensystem wirkt und bei mäßigem Genuss keine schlimmen Folgen hat“.

Ein Jahrhundert später bestätigen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen mit einer Vielzahl von Detailergebnissen diese pauschale Bewertung der gesundheitlichen Bedeutung des Weines. Mit der heutigen medizinischen Forschung wird damit der uralte Erfahrungsschatz um das Heil- und Genussmittel Wein ständig erweitert und vertieft. Die Ergebnisse belegen das fundamentale Wissen unserer Vorfahren, auch wenn ihnen dazu umfassende methodische Verfahren und Kenntnisse fehlten. Die Frage nach dem positiven Einfluss mäßigen Weinkonsums auf die Gesundheit wird somit in nach einer Zeitspanne von über zweitausend Jahren überzeugend und schlüssig beantwortet.
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Forum Wein und Gesundheit e.V.
www.weinundgesundheit.de